Alte Heimat - Aktuell

Doku-Drama „Die Donauschwaben“ in Freiburg und Haßloch gezeigt

Absage an Kollektivschuld


 

Nach der Deutschlandpremiere am 3. Mai in München wurde der Dokumentationsfilm „Die Donauschwaben“ von Marko Cvejic wenig später auch in Freiburg und Haßloch mit großem Interesse und viel Sympathie aufgenommen.

In einem Hörsaal der Freiburger Universität sahen am 4. Mai rund 55 Personen – darunter eine größere Gruppe Banater Schwaben, aber auch viele Binnendeutsche – Filmausschnitte und beteiligten sich rege an einer Diskussion mit dem jungen serbischen Regisseur und der slowenischen Hauptdarstellerin Zala Vidali. Zu der Veranstaltung hatte der Ostdeutsche Akademische Arbeitskreis/Kopernikuskreis eingeladen, der in jedem Semester mit mindestens zwei hochschulöffentlichen Vorträgen die Geschichte und Gegenwart verschiedenster jenseits der Staatsgrenzen lebender deutscher Volksgruppen thematisiert. Als nächstes ist am 21. Juni Leni Perencevic vom Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm zu Gast und spricht zum Thema „Donauschwäbische Erzählungen über Flucht, Vertreibung und Lagerleben. Beispiele aus den volkskundlichen Sammlungen des Johannes-Künzig-Instituts für ostdeutsche Volkskunde in Freiburg“ (18.15 Uhr; Hörsaal 1098 im Kollegiengebäude I).

Im pfälzischen Haßloch kamen schätzungsweise 130 Personen ins katholische Pfarrzentrum St. Ulrich, in das neben der örtlichen Donaudeutschen Landsmannschaft und der Donauschwäbischen Kulturstiftung auch der Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland (VDA) geladen hatte. Der Zustrom der weit überwiegend donauschwäbischen Besucher war derart groß, dass vor der Präsentation des mit deutschen Untertiteln versehenen Doku-Dramas zusätzliche Stühle in den prallgefüllten Gemeindesaal getragen werden mussten.

 

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Nach der Begrüßung durch Alexander Breinich, den Vorsitzenden der Donaudeutschen in Haßloch, und Martin Schmidt als DKS-Vorstandsmitglied und rheinland-pfälzischer Landesvorsitzender des VDA wurde der gesamte Film gezeigt. So mancher Angehörige der Erlebnisgeneration zeigte sich von den Interviews mit heimatverbliebenen Lageropfern und deren ungeschminkt wiedergegebenen dramatischen Inhalten sichtlich bewegt.

Bereits beim anschließenden Imbiss mit donauschwäbischen Spezialitäten und Pfälzer Wein war aus den lebhaften Gesprächen die große Anerkennung für Marko Cvejic und dessen Filmteam erkennbar. Der Respekt für den Mut und die Sachlichkeit des Regisseurs wurde dann in der abschließenden Podiumsdiskussion mit Worten – unter anderem von Josef Jerger (stellvertretender Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Donauschwaben) – und kräftigem Beifall auch deutlich zum Ausdruck gebracht. Ebenso klar vernehmbar war der Wunsch nach einem positiven Aufbruch in den deutsch-serbischen Beziehungen, getragen von gegenseitigem Respekt, Zukunftsorientierung und Offenheit bei der Aufarbeitung der Vergangenheit. Der Film „Die Donauschwaben“ von Cvejics Produktionsfirma Mandragorafilm wurde allgemein als erfreuliches Signal gedeutet; die zum Kauf angebotenen DVDs gingen weg wie warme Semmeln.

Marko Cvejic selbst betonte in einer Stellungnahme, dass Gewalt und Verbrechen „universale Kategorien“ seien und lehnte jegliche Kollektivschuld ab, denn „es soll nie ein Kollektiv für die Schuld Einzelner schuldig gemacht werden“. Mit Blick auf die deutsch-serbischen Beziehungen sowie das Schicksal der Donauschwaben aus Serbien erklärte er, es gehe „nicht darum, „wer angefangen hat, sondern wir sollten einfach darüber reden, was geschehen ist“.

Ein Bericht von Martin Schmidt - DKS-Vorstandsmitglied und rheinland-pfälzischer Landesvorsitzender des VDA

Weitere Informationen zum Film unter: www.kulturstiftung.donauschwaben.net Rubrik Aktuelles bzw. Archiv

 

Eindrücke eines Besuchers - Eine Kritik von Toni Vukovarac

 

Beeindruckt hat mich zunächst hervorragende Organisation der Veranstaltung und die hohe Zahl interessierter Besucher.

Beeindruckend natürlich auch der Film, der in einer ungewöhnlichen Art die Schicksale der Donauschwaben thematisierte. Die anschließenden Erläuterungen des Regisseurs Cvijić waren für mich überaus wichtig:Die Aussage, dass die Gewalt gegen andersdenkende, -aussehende, -sprechende ein universales, historisches und zukünftiges Phänomen der Menschheit sei, werden viele der Anwesenden der Erlebnisgeneration zunächst schwer hingenommen haben, zumal sie (die Gewalt) im Film am Beispiel der Donauschwaben thematisiert wurde.

Die Feststellung, dass es keine Kollektivschuld gäbe, aber sehr wohl eine kollektive Verantwortung (für die Zukunft!), findet sich schon sinngemäß in der Erklärung der Donauschwaben zum Gewaltverzicht in der Charta von 1956.

Und nicht zuletzt die Erklärung, dass Herr Cvijić in seinem Film als Künstler und Serbe über die Opfer, die sein Volk zu verantworten hat sprechen wollte. Wenn er über die eigenen Opfer spräche, würde er nicht objektiv sein können. Er hoffe, sagte er, dass sich ein anderer Künstler findet, der sich der Opfer seines Volkes annimmt, die es gewiss auch gab.

Bemerkenswert auch eine Wortmeldung aus dem Publikum, dass es sehr viele Publikationen und Filme über die Opfer der deutschen Minderheit in Polen, Sudetenland und sonstwo gäbe, aber diese nie so intensiv in dem betreffenden Land gezeigt und diskutiert wurden, wie es derzeit mit dem Film in ganz Vojvodina geschieht. Allein das sei eine überragende Leistung des Films und des Regisseurs.

Noch eine Schlussbemerkung meinerseits: Heute gibt es bemerkenswerte Ansätze, die mehr als 60 Jahre zurückliegenden Ereignisse in Vojvodina aufzuarbeiten. Da sich die heutige Kroatische Gesellschaft nicht im Geringsten mit der jenen nach dem zweiten Weltkrieg identifiziert, ist eine Aufarbeitung kaum angegangen worden.

Ich hoffe, dass die Aufarbeitung der Ereignisse um Vukovar ´91 keine 60 Jahre dauern wird. Das durfte ich Herrn Cvijić in einem guten Gespräch ans Herz legen und ich hatte das Gefühl, dass er das sehr wohl wahrgenommen hat.

Und zu meiner Person:

Aufgewachsen bin ich in Vukovar. Ein Kriegskind, aber nicht zu der Erlebnisgeneration gehörend. Auch die Kindheit im kommunistischen Jugoslawien gestaltete sich, trotzdem die Familie alles Vermögen verlor, weitgehend unproblematisch. Hier gab es auch deutlich andere Erfahrungen in der Verwandtschaft. Erfahren habe ich, dass ich ein „Švabo“ bin erst im Deutschunterricht in der Schule. So habe ich mir noch die Sprachkenntnisse erhalten und sogar (nach ´91) zwischen Serbisch und Kroatisch zu differenzieren gelernt, was seinerzeit in Vukovar eigentlich kein Thema war. Zunehmend registriere ich bei mir die Suche nach den Wurzeln.