Ein kurzer Blick in die Geschichte

Die Donauschwaben stammen von jenen großteils aus Lothringen, der Pfalz, dem Elsaß, aus Trier, Schwaben, Baden, Württemberg, Bayern und anderen deutschen Landstrichen, aber auch österreichischen (vor allem vorderösterreichischen) und böhmischen Ländern angeworbenen Siedlern, die die habsburgischen Kaiser nach der Befreiung des zur Habsburger Krone gehörenden Königreichs Ungarn von der Türkenherrschaft im 18. Jahrhundert im pannonischen Becken ansiedelten. Ihre Siedlungsgebiete bildeten das Banat, die Batschka, Syrmien, Slawonien, das ungarische Mittelgebirge, die „Schwäbische Türkei in Südwest- sowie Sathmar in Nordostungarn.

Es waren Gründe der gesamtstaatlichen Zweckmäßigkeit, der wirtschaftlichen wie der militärischen Staatsräson, die zur Berufung von Bauern, Handwerkern, Beamten, Facharbeitern und Kaufleuten aus den Territorien des Reiches und der österreichischen Erblande führten. Ihr kolonisatorischer Einsatz zählt zu den großen europäischen Kulturleistungen. Es gelang ihnen, aus den einst wüsten und verödeten Gebieten die „Kornkammer der Donaumonarchie“ zu schaffen und der Wiederbelebung der ungarischen Städte entscheidende Impulse zu geben.Nach Zerschlagung der Donaumonarchie zu Ende des 1. Weltkriegs wurde die rund 1,5 Millionen Seelen zählende Volksgruppe infolge der neuen Staatsgrenzen auf die „Nachfolgestaaten“ Ungarn, Rumänien und Jugoslawien aufgeteilt. Dies trug in unterschiedlicher Stärke zu ihrer Bewusstwerdung als ethnische Gruppe bei. Ab dieser Zeit bürgerte sich für sie die Benennung „Donauschwaben“ ein.

 

 

Der 2. Weltkrieg und dessen Folgen verursachten in ihren Reihen ungeheure menschliche und materielle Verluste. Von den 500.000 „Ungarndeutschen“ wurden etwa 30.000 auf Forderung Stalins für eine bis zu fünf Jahren dauernde Zwangsarbeit in die UdSSR deportiert. Die nationalistisch-chauvinistischen Kräfte Ungarns, namentlich die Kommunisten und die Kleinlandwirtepartei, forderten 1945 die Vertreibung ihrer deutschen Mitbürger. Dies wurde ihnen auf der Potsdamer Konferenz der Siegermächte zugestanden. Fast die Hälfte der Ungarndeutschen, 220.000 an der Zahl, wurde 1946 und 1947 nach Deutschland zwangsumgesiedelt. Ihr Vermögen wurde beschlagnahmt. Ausgewählt wurden vor allem die Familien der Mitglieder des Volksbundes sowie aller jener, die in deutschen Militärverbänden gedient hatten. Die 200.000 – 250.000 im Lande Verbliebenen wurden enteignet und erhielten erst 1950 die staatsbürgerliche Gleichberechtigung. Der Gebrauch der deutschen Sprache war verpönt und wird gegenwärtig im familiären Alltag nicht mehr gebraucht. Die nach der „Wende“ eingeführte „Selbstverwaltung der Minderheiten“ ist staatlich gelenkt, hat keine parlamentarische Vertretung und leidet unter Finanznot.

Die rund 330.000 „Banater Schwaben in Rumänien“ gehörten nicht zu den „Potsdamer Opfern“. Sie wurden nicht vertrieben, wurden aber enteignet. Auch von ihnen wurden rund 30.000 auf Jahre in die Sowjetunion verschleppt. 1951 wurde ein Bereich von 30 Kilometern entlang der Grenze zu Jugoslawien von unzuverlässigen Elementen“ gesäubert. Sie wurden in die Baragan-Steppe östlich von Bukarest deportiert, unter ihnen rund 30.000 Donauschwaben. Erst 1956 konnten die Überlebenden wieder zurückkehren. Die bis 1989 drohende Zwangsassimilation zu einer sozialistischen „Einheitsnation“ veranlasste die Donauschwaben Rumäniens die „Spätaussiedlung“ nach Deutschland anzustreben. Heute leben noch geschätzte 40.000 Deutsche im rumänischen Banat, sie sind durch das zum „Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien“ gehörende „Regionalforum Banat“ im „Minderheitenparlament“ und mit einem Abgeordneten im Parlament politisch vertreten.
Von den 195.000 nichtevakuierten oder nichtgeflüchteten Donauschwaben Jugoslawiens „der Batschka und dem Jugoslawischen Banat“, wurden 8000 Frauen 4000 Männer 1944/1945 in die UdSSR zur Zwangsarbeit deportiert. 2000 von ihnen gingen bis 1949 zugrunde. Über 7000 donauschwäbische Zivilpersonen, fast durchwegs angesehene Männer unter 60 Jahren, wurden 1944 durch lokalen kommunistische Instanzen, durch die Staatspolizei (OZNA) und durch eigene Partisanenkommandos meist grausam getötet. Fast alle anderen 170.000 wurden gemäß dem Beschluß des „Antifaschistischen Rates der Nationalen Befreiung Jugoslawiens“ = AVNOJ vom 21.11.1944 enteignet und entrechtet und in der Folge in Arbeits- sowie IN acht Konzentrationslager für Betagte, Kranke, Kinder sowie Mütter mit (bis zu zwei Jahre alten) Kleinkindern interniert. 50.040 von ihnen sind innerhalb von drei Jahren durch Hunger, Seuchen und Erschießungen umgekommen, während 35.000 unter Lebensgefahr aus den Lagern über die nahen Grenzen nach Ungarn und Rumänien entkommen konnten. Der Leidensweg der Donauschwaben Jugoslawiens forderte insgesamt mindestens 60.000 Ziviltode, d. h. fast jeder/jede dritte der in der Heimat Verbliebenen wurde Opfer des kommunistischen Regimes.

1948 wurden die Lager aufgelöst. Die nach rund 80 000 Überlebenden des Völkermords mussten dreijährige Arbeitsverträge eingehen und konnten sich erst in den 50er Jahren unter Erlegung eines hohen „Kopfgeldes“ loskaufen und nach Deutschland oder Österreich, in der Regel völlig mittellos, ausreisen. In der letzten gesamtjugoslawischen Volkszählung 1991 deklarierten sich noch 8021 Personen als Deutsche bzw. Österreicher.

Der heutige kroatische Staat anerkennt seine laut Volkszählung 1991 2.635 Deutschen und 214 Österreicher, von denen ein Teil in einigen Vereinen kulturell aktiv ist, als autochthone nationale Minderheit, so dass sie von den lokalen Behörden Unterstützung erhalten. Die Deutschen, die durch den AVNO.f-Beschluss vorn 21.11.1944 als damalige jugoslawische Staatsbürger widerrechtlich enteignet wurden, werden in das 2002 novellierte Restitutionsund Entschädigungsgesetz, einschließlich ihrer gesetzlichen- Erben erster Erbfolge, einbezogen, auch wenn sie keine kroatischen Staatsbürger sind und im Ausland leben, sofern bilaterale Verträge mit ihren jetzigen Heimatländern dies vorsehen. Damit verliert der besagte AVNOJ-Beschluss fórmell einen Großteil seiner diskriminierenden Wirkung.

Etwa 1,5 Millionen Donauschwaben leben heute zerstreut in der alten und neuen Welt, davon die Mehrzahl in Deutschland. Ihre in Bundesverbänden zusammengefassten Landesverbände in Deutschland, Österreich, den USA und Kanada sind die Träger der Pflege des kulturellen und geistigen Erbes. Ihr „Weltdachverband der Donauschwaben“ vertritt ihre gruppenspezifischen Interessen.

Verfasst von Josef Gillich